Beispiele für Fereydoons Gedichte aus "Andere Jahreszeit" (1964):


Die Stimme


Für Bele Bachem


Alter Kater

der in den Augenschatten liegt

und die Gedanken erleuchtet

Bunte Lampions

zwischen schweigenden Wimpern

Die Stimme.

Ungewollt gehst du ihr nach.

Suchst du ihre Fuβspuren

auf deiner feuchten Zunge,

streust du Angeln

für ihre leuchtenden Forellen

bis ihr letzter Klang verstummt.

Und plötzlich ist sie wieder da:

Eine Windrose in deinem Gesicht.




Andere Jahreszeit


Der Sommer war

eine durstige Schwalbe

die an den Luftspiegelungen

starb

der Herbst

ein melancholisches Kapitel

das ich zu Ende las

wollen wir nun

durch die tote Landschaft

gehen

und nach den müβigen

Sensen fragen

oder schwarze Handschuhe

anziehen

um dem Winter

ein biβchen Wärme entgegen

zu tragen.




Illusion


Eine Feder

in deiner Hand

ist ein Vogel

Vögel

sind schwer

zu halten

sie fliegen

gern


Die Feder

in deiner Hand

ist ein toter Vogel

er kann nicht

fliegen




Krieg


Die Uhr sitzt

wie ein Glühwurm

an einer Hand

und weiβ nicht

daβ sie niemandem

gehört.

Zeit der zerstampften

Finger

die als Schweigen

zwischen dem alten Pfalster

sterben.

Die Überlebenden

reiben sich die Augen

und murmeln leise:

nie mehr wieder.




Ungehört


Ich will nicht, daβ die Priester

Flugzeuge segnen, Kanonen einweihen

daβ das Blut der Wehrlosen

die Bibel durchtränkt

das Kreuz überschwemmt


ich will nicht, daβ die Ruinen

sich auf unserer Brust ausbreiten

daβ die ausgeschlafenen Uniformen

über unsere Zukunft stampfen


will nicht, daβ die Blumen

in der Salzwüste Zuflucht suchen

daβ die schönen, schweigenden Tiere

aus der Welt verschwinden


will keine Sonne, die tausend Sonnen ist

Keinen weiβen Pilz, der in der Hölle blüht


will kein Heil

durch das schreckliche Unheil

will kein Gesang

aus kopflosen Vogelleibern.






Das gesamte Buch mit englischen Übersetzungen finden Sie hier: [pdf]